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2009.06.30

daemon3

sperrige schönheit: überlegungen zur rezeption aktueller lyrik, adk, berlin

2009.06.28

man ist sich einig, irgendwie ist alles gar nicht so schlimm und gar nicht sperrig. und, wo doch, lyrik war es schließlich schon immer, massen und verständnis will sie eh nicht. monika, du sagst die klügsten sätze, ganz ohne zweifel, verägert bin ich dennoch. alle singen das loblied auf die selbstausbeutung und wie subversiv das doch alles sei. nein, wie unglaublich versbauwillig wir uns eines feuchten mehr lichts doch verwehren. beschämte diven, die wir sagen, och, nee, danke, geht scho, im grunde will ich deine aufmerksamkeit nicht, leser, lektor, lampenputzer. nee, schon gut. i m so exclusive, you know. so groß seid ihr alle nicht, dass ihr euch so klein und genügsam machen dürftet, denke ich da etwas gemein. ein gedicht sei evident, sagst du, monika. wo bitte ist ein gedicht evident? es ist da, aber präsenz ist noch lange nicht evidenz.

verschwende deine jugend, verschwende deine klugheit, verschwende, verschwende. nichts ist befestigt, alle wege sind offen, auflösbar ist es nicht, das gedicht, aber was ist schon auflösbar, und, da es ja eh nicht dot zu krieschen ist, hungern wir sie einfach weiter aus, die produzenten, sie setzen sich ja auch aufs podium und sagen noch danke dafür. bitte, dachte ich da. der erniedrigte, er sagte, er hatte ein gutes leben, beleidigt war er nie. der glaube rettet uns alle. blaise pascal lässt grüßen, jaja. hm. für einen moment denke ich, kann ich rks überhaupt noch machen? für einen moment denke ich, wenn es keine empfindung gibt, für das verstummen des anderen, für die rückwirkung von wirkungsmächten, für die ohnmacht, wenn es nur einen absoluten glauben an die selbstgesteuerte produktion gibt, deinerseits, dann gibt es vielleicht gar kein verständnis, zwischen dem, was ich meine und dem, was du meinst. ich denke an die diskussion um tonka.

das denken braucht den anschluss an die subversion und bekommt sie mittels gedicht. das ist wunderbar gesagt, aber grundfalsch für mein empfinden, die subversion braucht den anschluss, und darum ringt sie in ihrer abkehr. wer die notwehr zum selbstzweck erklärt, vergisst ihr existenzielles anliegen.

danke für den sehr schönen essay, magst du ihn hier einstellen?

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2009.06.26

“.. .. .. man wird zuerst die erfahrung befragen, ob dergleichen vorkommt, und dann die theorie, ob es überhaupt möglich ist .. .. .. “    (die endliche und die unendliche analyse, freud)

2009.06.21

THAT S ENOUGH YOU CAN STOP NOW

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2009.06.20

“.. Bergson believed: The comic is that side of a person in which he resembles a thing: it is that aspect of human events which, by a special kind of rigidity, institutes a mechanism pure and simple, an automatism, a lilfeless moment… ” … aber aber aber aber, stimmt das auch …. ?

Categories : RKS 4

.. es senden die oberflächen der dinge ..

2009.06.20

” … Über die Bilder der Dinge: so nennen wir diese Gebilde,
Die von der Oberfläche der Körper wie Häutchen sich schälen
Und bald hierhin bald dorthin umher in den Lüften sich treiben.
Dies sind dieselben Gebilde, die nachts im Traum, wie im Wachen
Uns begegnen und schrecken. Da sehen wir öfter Gestalten
Wunderlich anzuschauen und Bilder dem Lichte Entrückter,
Die aus dem festesten Schlummer empor mit Entsetzen uns wecken.
Aber man bilde nicht etwa sich ein, die Seelen der Toten
Könnten dem Orkus entfliehn und als Schattengespenster umflattern
Uns Lebendige, oder es bliebe von uns noch was übrig
Nach dem Tod, wenn der Körper zugleich und die Seele geschieden
Und sich ein jedes von ihnen in seine Atome getrennt hat.
Also, behaupt’ ich, es senden die Oberflächen der Dinge
Stets Abbilder der Dinge hinaus und dünne Figuren,
Was selbst der wohl begreift, deß Geisteskräfte nur stumpf sind. …”



Lukrez: Über die Natur der Dinge.
IV. Wahrnehmen, Denken, Begehren
Inhalt des IV. Buches, spätere Fassung
übersetzt von Hermann Diels

Categories : RKS 4

… nebenerfolg tintenfass ..

2009.06.20

” … Wenn den Zerstörungsdrang des Zornes ein Faustschlag ‘entlädt’, so ist er weder gegen den Tisch noch gegen sonstige Dinge gerichtet, sondern er zielt auf den Eindruck des Widerstandes, weil nur am anschaulich Widerstehenden das Brechen, Zerstören und Überwinden erlebt werden kann. Der Zustand des Zornes, artlich Vernichtungstrieb, erfüllt sich im Brechen von Widerständen, und das ihm anheimgefallene Ich vollführt die Bewegung als zu ihr getrieben und daher ganz ohne Rücksicht auf den erregenden Anlass. Die Ausdrucksbewegung ist immerdar ohne Zweck, in den meisten Fällen aber sogar zweckwidrig, wie ja das Beispiel vom Schlag auf den Tisch mit dem Nebenerfolg des fallenden Tintenfass enthüllte. … ”

klages: ausdrucksbewegung und gestaltungskraft

Categories : RKS 4

… platz schaffen …

2009.06.19

” … Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätigkeit: räumen. Sein Bedürfnis nach frischer Luft und freiem Raum ist stärker als jeder Hass.
Der destruktive Charakter ist jung und heiter. Denn Zerstören verjüngt, weil es die Spuren unseres eigenen Alters aus dem Weg räumt; es heiter auf, weil jedes Wegschaffen dem Zerstörenden eine vollkommene Reduktion, ja Radizierung seines eignen Zustands bedeutet. Zu solchem apollinischen Zerstörerbilde führt erst recht die Einsicht, wie ungeheuer sich die Welt vereinfacht, wenn sie auf ihre Zerstörungswürdigkeit geprüft wird. Dies ist das große Band, das alles Bestehende einträchtig umschlingt. …”

Benjamin: Der destruktive Charakter

Categories : RKS 4

.. unsagbar lebendig ..

2009.06.18

” … In geschlossenen Räumen aber stellten die Krisen sich leichter und häufiger ein. Gewöhnlich ertrug ich das Alleinsein in einem unbekannten Zimmer nicht. Musste ich warten, so kam nach wenigen Augenblicken die angenehm schreckliche Betäubung. Das Zimmer selbst bereitete sich darauf vor: eine warme, freundliche Vertrauthaut sickerte durch die Wände und ergoss sich über alle Möbel und Gegenstände. Plötzlich war das ganze Zimmer erhaben, und ich fühlte mich überglücklich in seinem Raum. Doch war dies nichts als ein Trugbild, das lag größtenteils an der Krise; eine ihrer anmutigen und subtilen Gemeinheiten. Auf den Rauschzustand folge unmittelbar der totale Umsturz und alles geriet durcheinander. Mit weit aufgerissenen Augen betrachtete ich meine Umgebung, doch die Dinge verloren ihren bekannten Sinn: eine neue Existenz tränkte sie. …”

M. Blecher: Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit. Übersetzt von E. Wichner. BS 1367.

Categories : RKS 4

Blecher: Beleuchtete Höhle.

2009.06.18

” … Auf der Straße warteten drei Freunde auf mich, aber auch diese wiesen unglaublich kuriose Veränderungen auf, der erste war blau gefärbt, seine Haut war von Kopf bis Fuß mit Emaille überzogen, wie die Weidlinge, Schüsseln und Töpfe in der Küche; die Erklärung dafür war, dass im Land der ‘Spezialisierungen’ auch die Menschen das Aussehen ihrer Berufe annahmen, und mein Freund war Ingenieur in einer Fabrik, in der Gefäße emailliert wurden, der zweite trug Zellophankleider, war gänzlich transparent und dabei dunkel wie ein Röntgenbild.

- Du weißt, dass ich immer leidend war, sagte er, als ich ihn fragte, was dies zu bedeuten habe. Ständig brauchte ich eine Radiographie, um zu wissen, was ich hatte und was mir weh tat, also habe ich eines Tages beschlossen, mich ein für alle Male röntgen zu lassen und Zellophankleider anzuziehen, damit ich jederzeit verfolgen kann, was in meinem Körper geschieht.

Und was den dritten betrifft, der hatte strahlend grüne Augen und ansonsten nichts Besonderes aufzuweisen, er gab uns Bonbons, die, wie ich merkte, eigentlich Uhren waren und sich im Mund auflösten, wozu unser blauhäutiger Freund bemerkte:

- Ich glaube, du gehst fünf Minuten vor, und es klang, als hätte er gesagt: Dieser Bonbon ist ziemlich sauer. Er war ein schlichter und ein bisschen spinnerter Künstler, nur dass ich, als er sich einen Bonbon in den Mund steckte, sehen konnte, dass er statt Zähnen kleine Porzellanpuppen im Mund hatte und dass seine Zunge in schmale rote Lamellen aufgespalten war, als hätte er eine Chrysantheme mit fleischigen Blütenblättern im Mund gehabt; und als ich mir seine Augen genauer anschaute, sah ich, dass sie aus zwei Glasklümpchen von Limonadenflaschen gemacht waren.

Mit dieser verblüffenden Einzelheit endete mein Traum. …”

aus: M. Blecher: Beleuchtete Höhle. Übersetzt von E. Wichner. BS 1434.

Categories : RKS 4