300 Millionen Sesterzen

2010.07.30

Nehmen wir die Stoiker, die mit Affekten umgehen, indem sie zeigen, dass sie für den Weisen unwürdig sind, die Ablenkung empfehlen, oder auch: Umgang durch Beseitigung. Ich führe den Beweis, dass die Affekte gar nicht existieren, und wenn, dann aufgrund von falschen Voraussetzungen. Nun schreiben die Stoiker für ihresgleichen. Und Seneca war sicherlich kein armer Mann, sondern einer der reichsten Männer im römischen Imperium. Als er daran scheiterte, Kaiser Nero die Vorteile der stabilen Genügsamkeit klarzumachen, vollzog er (ohne zu zögern, wie es heißt) die ihm befohlene Selbsttötung, wobei er allerdings drei Anläufe nehmen musste.

Seneca: Über die Wut, drittes Buch: „Was ordnest Du an? Wie sollen wir uns vor Augen führen, wie sehr doch all die Dinge, durch die wir verletzt zu werden glauben, winzig, jämmerlich und etwas für kleine Kinder sind? – Nun, ich persönlich würde vor allem dazu raten, seine Seele zu gewaltiger Größe zu entfalten und zu sehen, wie gewöhnlich und unbedeutend das ist, weswegen wir uns streiten und keuchend von einem Termin zum nächsten hetzen, und dass kein Mensch, der irgendetwas Erhabenes oder Großartiges im Sinn hat, auf so etwas einen Blick verschwenden sollte.

Um das Geld gibt es das meiste Geschrei. Geld lässt die Gerichte bis zur Erschöpfung tagen, lässt Väter und Söhne gegeneinander antreten, mischt tödliche Gifte und reicht das Schwert – Mördern genauso wie Legionen. Geld ist mit unserem Blut beschmiert. Seinetwegen sind die Nächte von Ehefrauen und Ehemännern erfüllt von Gekeife und Gezänk. Seinetwegen drängt sich die Menge um das Tribunal des richtenden Beamten. Seinetwegen veranstalten Könige brutale Raubzüge und werfen durch langer Jahrhunderte Mühen errichtete Staaten zu Boden, um in der Asche ihrer Städte nach Gold und Silber zu scharren.

Ich möchte die Geldsäcke betrachten, wie sie da in der Ecke liegen: Sie sind der Grund, dass gezetert wird, bis die Augen aus den Höhlen treten, dass in den großen Hallen das Gebrüll der Gerichtsparteien sich bricht, dass aus weit entfernten Landstrichen herbeizitierte Schöffen dasitzen müssen, um zu beurteilen, bei wem von beiden die Habgier gerechter ist.

Und wie ist es erst, wenn noch nicht einmal wegen eines Geldsacks, sondern wegen einer bloßen Handvoll Kleingeld oder eines Denars, den ein Sklave in Rechnung gestellt hat, einem Tattergreis ohne Erben vor Empörung die Galle platzt! Wie, wenn wegen des Zinseszins – und sei es nur ein Zehntel Prozent – ein Wucherer, der eigentlich ins Bett gehört und mit seinen gichtverkrümmten Füßen und Fingern nicht einmal mehr die Schuldsumme zusammenzählen kann, ein fürchterliches Geschrei erhebt und in einem Mahnverfahren, nach dem anderen – sich unter Anfällen windend – den Ansprich auf Zahlung seiner geliebten Pfennige geltend macht?

Einmal angenommen, du würdest alles Geld aus sämtlichen Bergwerken, die wir in diesem Moment in die Tiefe treiben, für mich hervorholen, angenommen, du würdest alles hier vor mir ausschütten, was die Schatzkammern verbergen, wohin Habgier wieder unter die Erde zurückschafft, was sie so unselig daraus hervorgewühlt hat, dieser ganze Haufen da wäre meiner Meinung nach nicht wert, die Stirn eines guten Mannes in Falten zu legen. Mit einem lauten Lachen sollten wir diese Dinge aus unseren Gedanken streichen, die uns so viele Tränen entlocken.“
(Übersetzt von Jula Wildberger)

Wem das Geld nicht notwendiges Lebensmittel ist, weil es ihm in ausreichender Menge zur Verfügung steht, kann es, wie Seneca als neurotische Substanz abqualifizieren, als Streitwert eines im Grunde unnötigen Streits. Doch behält es leider auch unter den Bedingungen des Mangels seine neurotische Qualität, ja steigert sie sogar, so dass dem Streit in diesem Fall keine Freiwilligkeit mehr zu unterstellen ist.

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2010.07.28

ZERDEPPERT - STABILISIERT - REPARIERT

Categories : RKS 5

Seit du weg bist, sind wir traurig. Ei wie wohl ist uns dabei!

2010.07.26

 

Unser Wohnzimmer, seit du weg bist

seit du weg bist, unser Wohnzimmer

– wohnen konntest nur du

Geld ist schuld

2010.07.26

Solange ich Geld habe und er keines, können wir uns nicht unbefangen begegnen. Wenn das Geld alle ist, werden wir andere Sorgen haben.
Was tun, bevor es zu spät ist?
Entweder ich verlier meinen Freund oder mein schönes Leben alleine.
Ich fühl mich wie ein Indiodorf, das den amerikanischen Rinderzüchter verjagt, der bei ihnen Rinder züchten und eine Universität bauen wollte.
Jetzt also zurück zu den Wurzeln und Körnern und einmal im Jahr schlachten.
Die Bücher kriegen wir schon irgendwo her.

Nach ein wenig Recherche und Überlegung: Ich fühle mich wie Nirvana. Weißer Dreck.

Wenn du die Kopfhörer nicht so verwickelst, verwickeln sie sich nicht so.

2010.07.23

Leichtes Geld. Leichte Worte, schweren Stoff zu transportieren. Als könnte man irgendwas sagen, und durch unseren alten Freund Magie käme die Schwere rüber. Doch gerade auch alte Freunde verlieren die Geduld, besinnen sich auf ihr eigenes Leben. Leichtes Geld, mit der Kante auf den Tisch. Zurückgeschobenes Trinkgeld. Es ist zu spät. Vorher wars zu früh. Man will dich schikanieren. Aus Liebe. Du kannst nicht alles kaufen, du kannst gar nichts kaufen.

Es scheint, als wäre über Geld schon alles gesagt. Es scheint, immer kürzer wird die Spanne meiner Gedankengänge. Ich spähe, ob schon jemand diesen Weg gegangen ist, ob wer mit mir hechelt, im Geiste, als Geist.

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2010.07.20

„““Another of her potential collaborators was a gifted Scots poet, Norman Cameron, who was also at the café that evening after Lucies arrival. In the course of his life Norman would undergo a nervous breakdown, psychoanalysis, three marriages, a sympathectomy (a type of lobotomy), and a conversion to Roman Catholicism before dying peacefully in 1953, of a cerebral hemorrhage at the age of 47.““““

Categories : RKS 5

Anschleichen

2010.07.17

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2010.07.16

„““ Gesandter Allahs! Gelegentlich kommt ein Kunde und möchte etwas von mir kaufen, das ich nicht (vorrätig) habe. Darf ich es für ihn auf dem Markt kaufen? Der Prophet antwortet: „Veräußere nichts, worüber du nicht verfügst.

Verbot des Verkaufs von Waren vor dem endgültig angestrebten Zustand: Hierzu gehören zum Beispiel Früchte vor der erkennbaren Reife, die Milch im Euter eines Tieres, bevor sie gemolken wird, und die Wolle auf dem Rücken eines Tieres, bevor es geschoren wird. (..)

Der Handel mit Futures und Warentermingeschäfte, ein Geschäft bei dem man sich oder den Gegenpart zu einer Lieferung oder Leistung in der Zukunft verpflichtet, aber die Höhe des Wertes zum Erfüllungszeitpunkt noch nicht bekannt ist, sei ..  nicht erlaubt, da der Handelsgegenstand zum Abschlusszeitpunkt nur fiktiv ist, was gegen die (oben genannten) Voraussetzungen für das Verkaufsobjekt verstößt. Somit sind auch alle Formen der Leerverkäufe, also der Handel mit Wertpapieren, die man nur fiktiv besitzt, untersagt. „““

Aus: Hatem Imran. Das islamische Wirtschaftsrecht.

Categories : RKS 5

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2010.07.16

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„““ O! es ist wahr, meine Freundin, der Mensch ist von Natur eine ernsthafte Bestie. Man muß diesem schändlichen und leidigen Hange aus allen Kräften und von allen Seiten entgegenarbeiten. Dazu sind die Zweydeutigkeiten auch gut, nur sind sie so selten zweydeutig, und wenn sie es nicht sind und nur einen Sinn zulassen, das ist eben nicht unsittlich, aber zudringlich und platt. Leichtfertige Gespräche müssen geistig und zierlich und bescheiden seyn, so viel als möglich; übrigens aber ruchlos genug. „““
Friedrich Schlegel: Lucinde

Wer in seiner Umgebung nicht rauchen braucht

2010.07.09

Natürlich räumt niemand das Internet auf. Oder doch? Nein. Es riecht im Internet jedenfalls so, wie die Umerde der Stadtbäume, das zu 65% aus Hundekot verschiedenen Alters besteht. Und jetzt bild ich mir noch ein, eine Linde in voller Blüte zu riechen, diesen Geruch von verschwitztem Schritt. Wenigstens pickt der Boden nicht. Und es ist sauber – was wir gemeinhin unter sauber verstehen – keine altersbedingten Nuancen. Jede Nuance muss irgendwer irgendwann gemacht haben.
Aber unser Begriff von Sauberkeit ist so wenig täuschungssicher, wir könnten eine Virtuellbrille aufsetzen und im schrecklichsten Pissoir der Welt an keinen Schmutz glauben.

Schmutz der Emotionen. Ferment von Genealogien. Fische (auch im Aquarium) können menschliche Emotionen verarbeiten, Menschen können Fischkot verkraften, verstehen aber nicht, was die Fische sagen, brauchen sie auch nicht. Die Vegetation schunkelt dazu.

Im Soldiner Eck

2010.07.08

Elende Rechnerei

2€ sind elf Lieder
in der Laserdiscobox,
2,10 eine Fahrt mit der BVG,
Kurzstrecke kostet 1,30,
Wochen & Monate
wenn du mit dem Bus fährst
sonst musst du aufpassen.
Die Prüfung ist verschoben
der Blick scheel
Leid grundlos.

Wer hat das wohinein programmiert? Alle heiligen Zeiten (jede Viertelstunde) spielt leise ein halbes Lied, um die Gäste daran zu erinnern, dass es Musik gibt. Man weiß hier wirklich nur den einen Lochkartensatz, der einem aus dem Maul gezogen wird IN GENAU DEM AUGENBLICK. Stille ist das Kühlgeräusch der Spielautomaten. (Hier allerdings integriert. Hier ist alles integriert.) Die Frau hinter der Bar trinkt Wasser aus der Trinkflasche.
Komischerweise, es ist, wenn man aufs Klo geht, dass einem auffällt, wie billig man seine Zeit hier vergeigt. Warum rede ich so schlecht über die Kneipe? Weil die so vornehm sind! Die Tresendame (eben nicht Tresenkraft) macht Rubin aus billigem Rotwein, liest die Bild, schneuzt sich gelegentlich mit dem Taschentuch. Wenn angesprochen plaudert sie, als wäre es heller Tag, über ihre Tochter und über Pankow. Sie gleicht der Wächterin über ein Becken für männliche Seekühe, es würde mich nicht wundern, wenn sie einmal strickte. Gibt es billige Zeit? In der 24-Stunden-Kneipe ist die Zeit billig. Sogar das Gespräch ist billig. Dafür unter allem Häkeldecken.

Nämlich, ich bin sicher, sie wären nicht damit einverstanden, dass ich sage, der Wein ist billig. Sie würdens aber nicht sagen, dass sie nicht einverstanden sind. Auf die Seite kucken.

.. o .. o .. der bärenklau .. hat man sowas schon gesehn .. ?

2010.07.01
Foto: Liesl Ujvary, am 30.06.2010 im Botanischen Garten Wien

Foto: Liesl Ujvary, am 30.06.2010 im Botanischen Garten Wien