Was ist besser, Wort oder Tag?

2012.07.23

Eine Ankündigung eines Chorabends der Evangelischen Sowiesogemeinde gibt hier mal die Antwort (man weiß ja nie, wo man suchen soll, aber man findet, wenn man nur genug andere Dinge sucht): „Wort des Höschen, Tag des Lichts“.
Um nicht autokratischer, apodiktischer Kopffüßler zu erscheinen, lüfte ich meinen Hosenbund und blicke fragend meinen Schlüpfer an. Was sagt er dazu? Ich hoffte, „word“ oder sowas Kumpelhaftes, aber „word“ ist, hör ich, total aus der Mode. Ich höres nur schnippsen, wie sie angeblich bei den New Yorker Poetry Slams schnippsen, wenn es im Gehirn heißt: „Yeah! Genau so wie du sagst, kenn ich das aus meinem eigenen Leben.“

„Dein Leben,“ sag ich, und beiß mir auf die Unterlippe, „dein Leben ist Pisse und Blut, Mädchen.“

„Ebend,“ sagt der Schlüpfer, „und das andere ist verschwiegen. Und doch klar und durchscheinend. Wie das Wort.“

Ich geh zur Stereoanlage und schalte auf Nummer 14: „‚Y’a du soleil dans la boutique.!“

„Mach das aus!“ ruft es von unten.

„Warum?“ frage ich.

„Weil es ist Nacht. Da sind wir nicht Optimismus.“

„Was sind wir dann in der Nacht?“

„Opossition.“

„Opsowos? Opossum? Ja, schlafen wir bald. Am Tag dann.“

„Nein!“

„Was dann?“

„Opossible.“

„Sprich nicht so langsam, du schlüpfst in Zungen.“

„Opossible.“

„Possierlich. – ? Sinnlos, ja gut. Aber doch bitte possible.“

„Opossible.“

„Oh, all possible. Sehr möslich. So so. Dein Kopf träumt, Kleines.“

„Sag mir was, endlich.“

„Mach was du willst.“

„Okay, mach ich.“

„Geh raus spielen.“

„Morgen dann.“

Kunst um die Knöchel

2012.07.04

Wir kamen uns so unbekleidet vor, als wir durch das Museum der knöchelhohen Kunst schlenderten. Wir hatten zu viel Respekt, und schlotterten in diesem Respekt herum, wie Menopausen in Zelten aus Knitterseide, die viel zu weit für ihre Knochen und Wölbungen sind. Gibt es denn etwas, fragtest du mich, was weder zu weit noch zu eng ist? Du liebst das Zu-Enge, dann wieder das Zu-Weite, weil du dich immer selbst darin spürst. So beuten die Kleider unseren Narzissmus aus, zu dem Effekt, schlecht auszusehen. Kleider wollen immer schlecht aussehen, weil sie darin über ihre Träger triumphieren. Eine Symphonie des Triumphes der Gegenstände über den Menschen, Sklavenaufstand. Noch eine Karawane Knitterseide raschelte vorbei, und ich hörte darunter Spartakiden stampfen, schwere Ketten rasseln. Die Kunst schielte uns unter die kurzen Röcke, sah die runden Löcher in unseren weißen Strumpfhosen, wo die Schenkel sich an ihrer dicksten Stelle einen Hauch berühren. Die Kunst ist zu schlau, sagte ich zu dir, und zu bodennah. Du lächeltest und gabst ihr einen Tritt. Dann sprachen wir von Idealen, Hölderlin.

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