Abschreiben dchungelös

Achtzig Prozent des Unsinns werden von unseren Redaktionen nur darum gedruckt, weil die Redakteure entweder keine Vorstellung von der Dichtkunst haben oder nicht wissen, wozu Gedichte gut sind. Sie kennen nur ein „mir gefällt’s“ oder „mir gefällt’s nicht“ und vergessen dabei, daß man den Geschmack bilden kann und muß. Fast alle Redakteure haben sich mir gegenüber beklagt, sie verständen es nicht, Gedichtmanuskripte zurückzuschicken: sie fänden keine passenden Worte bei solchen Gelegenheiten.
Ein tüchtiger Redakteur müßte dem Dichter erklären: „Ihre Verse sind äußerst korrekt. Sie sind nach der dritten Auflage des Handbuches zur Versfabrikation von M. B. (beziehungsweise Schengéli, Gretsch und so weiter) hergestellt. Alle Ihre Reime sind erprobt und längst durch das vollständige russische Reimlexikon von N. Abramov bekannt. Da ich im Augenblick keine neuen Gedichte habe, nehme ich gerne die Ihrigen. Ich bezahle sie wie die Arbeit eines berufsmäßigen Abschreibers: drei Rubel pro Seite unter der Bedingung, daß drei Kopien eingereicht werden.“
Darauf wird der Dichter die Antwort schuldig bleiben.
Er wird danach entweder das Schreiben aufgeben oder sich ans Dichten wie an eine Beschäftigung machen, die viel Arbeit verlangt. Jedenfalls wird er aufhören, sich besser zu dünken als ein Lokalreporter, der für seine drei Rubel pro Notiz wenigstens mit neuen Ereignissen aufwarten kann. Der Lokalreporter rennt immerhin seine Schuhsohlen auf der Suche nach Skandalaffären und Bränden ab, während ein Poet der genannten Art höchstens seine Spucke zum Umblättern der Seiten verausgabt.

Majakowski

3 Gedanken zu „Abschreiben dchungelös“

  1. Und was ist mit Macht? Ha? Ist sie schwer? Ist sie überbewertet? Ist sie nicht einfach GEFAHR FON DOOFHEIT? Doofheit zur Gefahr gedopt?

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