Heikelkeit (können wir, wo sich seit Hölderlin in der Disponibilität so viel geändert hat, überhaupt noch davon singen?)

Und man sah, dass ein Regen kommen würde, und die Leute befestigten die Zelte. Ich gesellte mich zu denen, die den krawalligen Rückenwind nutzten, um nach Hause zu kommen, im Wissen, dass ich dort nicht ankommen würde. Aber die Richtung stimmte. Aber es war mir egal. Und der Regen kam, und ich wurde naß bis auf die Knochen, weil ich nicht nach Hause gehen wollte und auch mich nicht unterstellen, denn es ist doch ein Nichts bloß mitten in der Fremde, wo man sich wundert und trockenbleibt. Meine Lügen waren klatschnass und klebten mir ans Gebein. Durchtränkt und an den Leib geschmiedet war alles, was ich hatte, und glich allem ringsum an Nässe. Die Nässe war mein Haus, mein Herd, mein Pferd, mein Bett, mein Himmelreich. Nie würde ich mehr ein Buch lesen, ohne an diese Nässe zu denken, denn ein Buch darf und soll sich nicht so nässen, nicht aber schadet dies dem Menschen, der die Füße wie die Haare bis aufs Gesicht darein taucht wie in ein köstlich mit Kräutern und Hagelkörnern verziertes Bad. Was waren wir früher für kräftige, wohlgemute Menschen, skandiert der schottische Ahn, wie waren wir damals aus anderem Zeug gemacht. Wie viel weiser aber sind wir heute und ebenso gut gewachsen, widerspricht Johnson, haben wir doch gelernt, nicht Nässe zu scheuen und nicht den Wolkenbruch, wiewohl wir andauernd Menschen kränken und aufgrund der Telegraphenämter mehr Menschen als früher vergeblich auf etwas warten, was kein Telegraph je übermitteln konnte. Bücher, Küsse, Buchstaben, Schnauzer, Spitzen, und dass jemand die lose Haut um die Fingerknöchel experimentell so herumwalkt wie man bei sich selbst nur wagen würde.

4 Gedanken zu „Heikelkeit (können wir, wo sich seit Hölderlin in der Disponibilität so viel geändert hat, überhaupt noch davon singen?)“

  1. Eine Schnulze macht den Tanz der 1000 Schleier?
    Der Angelsachse ist ein Angelsachse, weil einmal auf seinen Kopf gefallen, der Hagel ihm nun Wetter und Metapher ist. Er nennt es den Widerspruch; die Kompensation ist es, die ihn bewirkt und er stülpt darüber Königshaus, oder doch Frank Zappa. Oder wie?

  2. alles eine große zähre, in der die dinge schleierhaft sich verzerren, subjekt und flüchter, reibung und aufflammen sich verwechseln.

  3. Der Permalink der Permalink
    ist ein gefrohrenes Huhn.
    Was immer ihn auf das Thema bringt
    hat damit nichts zu tun.

    Dies andauernd gekränkte Huhn
    soll aufhören gekränkt zu sein.
    Die Abwesende geruht zum Ruhm
    des Abwesenden am Marktplatz nun
    „Aufhören!“ laut zu schreien.

    Man fragt sich nun zu Recht, ob dies
    zum Ruhm des Marktplatzes geschehn.
    Ich sage ja: Die Katze ließ
    den kryptischen Sinn aus dem Verließ
    und jeder sah ihn vor die Hunde gehn.

    Wenn das nicht dem Marktplatz hinreißend steht
    wie Sonnenlicht und Abendspiel,
    dann zwitschert die Nachtigall unberedt,
    dann weiß ein Lesender nicht, was steht,
    dann reden Giraffen lang und viel,
    dann kämme sich selber das Windspiel.

  4. …las ich vom „herausgemurmelten“:

    „… das dem Bau einer Gedichtzeile öhnliche Ausmurmeln manchmal nur eines einzigen widerspenstigen Satzes auf den Stundenspaziergängen, bis die Schläfen zu klopfen anfangen – ist es dem Aufschreiben gleichzusetzen? Ich murmele Tag und Nacht, auf Spaziergängen, beim Mittagesse, während der regelmäßig wiederkehrenden Schlaflosigkeit die ganze lange Nacht hindurch; das Ergebnis ist ein HERAUSGEMURMELTER ABSCHINTT, KÜRZER ALS EIN HÜHNERSCHNABEL, der in einer viertelstunde aufgezeichnet ist… “ (A. Bely)

    denke, es murmelt der regen. murmelt versionen des regens. murmelt die kleider so schwer, murmelt er kleider so schwer, murmelt er kleider, und dann, nichts andres als trocknen bliebe zu tun. das trocknen aber, als brauche es jeden kredit, ist eine schwierige gier – und ließe es nichts zur verfügung zurück und verbrauchte das ganze erbe fürs trocknen, und trocknend – ist der mensch in erwartung des nichts… und ist noch immer nicht trocken.

    oder dergleichen

    wellen. wellen. wellen. wellen.

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