What you do when you go around

2016.11.08

costing

(materialistische ideologieanalyse)

9. Einzelne religiöse Vorschriften

2016.10.08

IHR ELENDEN, GANZ ELENDEN! DIE HÄNDE WEG VON DEN BOHNEN.

So Empedokles.

Ergänzungen zu dem obigen Bericht: Von der Sonne

2016.10.07

2
Die Sonne ist so groß, wie sie uns erscheint.

3
Die Sonne hat die Breite eines menschlichen Fußes.

4
Die Sonne ist neu an jedem Tage.*

5
Wenn es die Sonne nicht gäbe, dann wäre es wegen der anderen Gestirne Nacht.

6
Die Sonne sei eine vernunftbegabte Entzündung aus dem Meere.

7
Die Gestirne seien Verdichtungen von Feuer.

8
Die Gestirne ernährten sich von der Ausdünstung der Erde.

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* d. h. an jedem Morgen entzündet sich (aus den Ausdünstungen des Meeres) eine neue Sonne, da die alte, d. h. die des vergangenen Tages, bei ihrem Untergange wirklich erloschen ist, so Herakleitos von Ephesos.

Lu Hsün, Morgenblüten abends gepflückt, oder Wenn hinter Bremsenbremsen Bremsenbremsen Bremsen bremsen…

2016.10.06

„Ich habe vergessen, wie ich in Erfahrung gebracht hatte, daß Dungfang Schuo* auch ein großer Gelehrter gewesen sei und ein Insekt mit dem Namen ‚Guai-dsai’** gekannt habe, eine Inkarnation des Geistes irgendeines zu unrecht Erschlagenen, das sich in Nichts auflöste, wenn man es in Wein tauchte. Ich war begierig, diese Geschichte in allen Einzelheiten zu hören, aber Mama Tschang konnte mir nicht weiterhelfen, schließlich war sie ja auch kein großer Gelehrter. Nun bot sich mir eine günstige Gelegenheit, ich konnte meinen Lehrer fragen.
‚Was ist das für ein Insekt, dieses „Guai-dsai“?‘ fragte ich schnell am Ende einer neuen Lektion, bevor ich entlassen war.
‚Das weiß ich nicht.‘ Er schien nicht sehr erfreut über meine Frage. Im Gegenteil, er blickte recht ärgerlich.
Ich schloss daraus, daß es sich für Schüler nicht geziemt, Fragen wie diese zu stellen; sie haben sich aufs Lernen zu konzentrieren.

* Ein als Witzbold bekannter Höfling und Berater (154-93 v.u.Z.) des Kaisers Wu Di aus der Han-Dynastie (Regierungszeit 140-87 v.u.Z.).

** ‚Guai-dsai‘ bedeutet ‚O wie seltsam‘ “

Ich sollte eigentlich schnurstracks nach Hause fahren und diese Textstelle posten, die Murasaki no Cigar und ich im Kaffeehaus soeben entdeckt hatten, begierig nach dem Witz Lu Hsüns sein Buch in der Mitte aufschlagend. Aber beim Bremsen fiel mir wieder dieser Geruch auf, und dass ich seit langem weiß, dass ich die Bremsklötze wechseln sollte, aber nie die Zeit nehme. Und das, obwohl ich schon länger sogar befürchte, dass sich das Metall in den Bremsklötzen drin schon meine Felgen aufschlitzt – eine zutiefst peinliche Sache. Also mache ich Halt bei Pank Rad, wo der Mechaniker – also ich bin in den ganzen Laden verliebt, seine Frisur, die Art wie er die Gangschaltungen sortiert und stapelt, wie alles organisiert ist, und er selbst in der Mitte, an unhypeigen nicht Hi-Tech ganz normal schönen Rennrädern schraubt. Er ist so trocken, lieb und kompetent wie der Kottan des Lukas Resetarits, im Overall. Alles super, er macht es gleich, kostet 10 Euro, in einer halben Stunde, ich kann warten oder spazierengehen. Die Freude an schneller Aktion und einfacher Kommunikation teilen wir, das Bügelschloss lege ich auf die Heizung. Aber nicht vergessen, warnt er.
Ich bin aber leider jemand, der sich in schlechter Gesellschaft angewöhnt hat, sich gedrückt zu fühlen, Nettigkeiten herauszupressen, und schwafle dummes Zeug. Das nervt ihn ein wenig. Und als ich nach zehn Minuten wiederkomme, um das vergessene Schloss zu holen, und ein bisschen lachen will über die Prophetie, ist er dazu nicht aufgelegt. „Ich habe es gesagt,“ meint er nur knapp und widmet sich wieder dem roten Rennrad in der Mitte des Raumes.
Und vor Scham schiebe ich mein Rad eine Weile die Pankstraße hinauf und verarbeite die Scham zum Vorsatz, mich etwas weniger unübersichtlich zu benehmen.

In die Liste der bestürzenden Ereignisse gehört auch der Moment, als gestern Abend in der Rumbalotte der lesende Tim Holland ein sprachliches Manöver machte, genau analog zu dem Satz mit den Bremsenbremsen, das ich als Kind austüftelte und von dem ich irgendwie durch Anerkennung Absolvenz begehrte. Denn ich spürte schon damals, es ist ein unglaublich nerviges Kunststück. Jetzt fällt mir aber das Wort nicht ein, mit dem Tim es machte.
Die Hybris, kanonische Blödeleien zu überbieten, steht keinem Schriftsteller gut an, nicht einmal als Kind. Leider war ich damals fern davon, das zu kapieren, und so fern war denn auch jede Linderung vom unangenehmen Gefühl des Forcierten. Und so habe ich mir das angewöhnt, das Forcierte.

… des Lichts beraubte Luft …

2016.05.21

„Des Lichts beraubte Luft – nichts anderes ist, was wir Schatten nennen. Zwar wird nacheinander bestimmten Stellen am Boden Sonnenlicht genommen, überall dort nämlich, wo wir ihm mit unserer Bewegung den Weg verlegen, doch dann, indem wir weitergehen, wird die verlassene Stelle erneut mit Licht gefüllt. Es mag so aussehen, als folge uns auf Schritt und Tritt unverändert der gleiche Schatten, in Wahrheit aber fließen immer neue Strahlen dorthin, wo wir gerade waren, während die alten vergehen, als spinne man Wollfäden ins Feuer. So wird der Boden sowohl des Lichts beraubt wie von diesem erneut überflutet, die dunklen Schatten wie weggewaschen.“

Lukrez: Über die Natur der Dinge, übersetzt von Binder.

… Ich denke, das sind meine Fransen …

2016.03.29

„Fünf oder sechs Tage danach war ich zum Abendessen beim König. [Sonnenkönig in Versailles] Bei den Desserts nahm ich in der Luft, über der Tafel, irgendetwas Großes, Massiges und irgendwie Dunkles wahr, das ich aufgrund der Geschwindigkeit, mit der dieses große Ding auf das Ende der Tafel fiel, nicht Zeit hatte zu erkennen oder darauf zu zeigen. [..] Der Lärm, den es machte, während es fiel, und das Gewicht dieses Dinges ließen einen denken, es würde den Tisch eindrücken, es ließ die Schüsseln klirren, aber ohne eine umzustoßen. [..] Der König wendete bei dem Schlag, den das tat, den Kopf halb zur Seite und sagte, ohne sich im geringsten zu erregen: ‚Ich denke, das sind meine Fransen.‘

Es war in der Tat ein Paket, größer als ein Priesterhut … Es von weit hinter mir gekommen [..] und eine Haarsträhne, die sich in der Luft gelöst hatte, war oben auf die Perücke des Königs gefallen. Livry, der zu seiner Linken saß, sah sie und entfernte sie. Er rückte ans Ende der Tafel und sah, dass es tatsächlich die zum Paket verschnürten Haarfransen waren […] Livry, der das Paket wegnehmen wollte, fand darauf ein angeheftetes Billet; er nahm es und ließ das Paket liegen […].

Folgende Worte, geschrieben in ungestalteter und langgezogener Schrift, wie von einer Frau, standen darauf: ‚Nimm diese Fransen zurück, Bontemps; die Mühe übersteigt das Vergnügen. Meine Handküsse an den König.‘ Es war zusammengerollt, aber nicht verschlossen. Der König wollte es aus den Händen D’Aquins nehmen, der sich zurücklehnte, es befühlte, rieb, hin und her drehte, es dann dem König zeigte, ohne es ihn anfassen zu lassen.

Der König befahl ihm, es laut vorzulesen, obwohl er gleichzeitig selbst las ‚Das ist‘, sagte der König, ‚etwas sehr Ungewöhnliches‘, aber in einem ganz gesammelten und gleichsam historischen Ton. Er befahl dann, das Paket zu entfernen. [..]

Von diesem Moment an sprach der König nicht mehr darüber und niemand wagte mehr, darüber zu reden, zumindest nicht laut; und der Rest des Abendessens verlief, als ob nichts geschehen wäre.“

Aus: Saint Simon, Mémoires, Bibliothèque des la Pléiade, Bd. 1. Seite 618 f.

Fliehet, ihr glückselgen Bienen

2016.03.28

… Gehen vier Brahmanen durch den Wald …

2016.03.28

„Vier Brahmanen gehen durch einen Wald. Drei waren gelehrt, der vierte war vernünftig. Sie sahen Gebeine liegen. Einer der Gelehrten sah, dass es Löwenknochen sind. Er legte sie zusammen. Der zweite war Anatom. Er umkleidete die Knochen mit Fleisch und Fell. Der dritte war Zauberer, der echte Wunder vollbringen kann. Er belebte den Löwen. Der vierte war bloß mit Vernunft begabt. Während die drei Männer aus den Knochen den Löwen machten, kletterte er auf einen Baum. Der Löwe fraß die drei, den vierten erreichte er nicht. Hier ist es der vierte Mann, der unbestraft bleibt. Es war der Mann mit den geringsten Wünschen.“

Aus: Viktor Schlowskij: Von der Ungleichheit des Ähnlichen in der Kunst.

We’re looking … wir suchen .. for a name … nach einem Namen .. for … für dieses hier … here

2016.03.12
Foto und Figur von Stefan RInck

Foto und Figur von Stefan Rinck

 

 

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2016.02.23

„Platos Zahlen hatten ‚sichtbare und fühlbare Körper‘, auch wenn seine beiden Augen fixiert waren auf die geometrischen Wurzeln der Welt. Hunds-Zahlen zählen Hunde, Schaf-Zahlen Schafe, und Vogel-Zahlen ein Geflatter von Flügeln. Der Algebrista, der spanische Knochensetzer, stand bereit, den Schaden zu flicken.

Aristoteles sah im Schlaf Abstraktionen, als sähe er Wasser verdampfen. Jedoch immer noch eindeutige Zahlen von eindeutig benannten Dingen. Einen Vogel, einen unscharfen Flügel, hoch, aus dem Nichts. Der Wasserdampf kondensiert und, im Februar, gefriert. Tote Spatzen fallen von den Bäumen.“

Aus: Rosmarie Waldrop. Driven to Abstraction. Ins Abstrakte treiben.
Übersetzt von Elfriede Czurda und Geoff Howes.
Wien 2015.

2016.02.23

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… Sinne, die vor uns noch nicht gelebt haben …

2015.10.06

FURIST

Categories : RKS 11

… lies die Feuerlache …

2015.10.06

„Was macht zuletzt Reklame der Kritik so überlegen? Nicht was die roten elektrische Laufschrift sagt – die Feuerlache, die auf dem Asphalt sie spiegelt.“

W. Benjamin: Diese Fläche können Sie mieten, in: Einbahnstraße.

Categories : RKS 11

… das Murmeln des Seienden …

2015.10.06

„Im Jahr 1928, als der Stummfilm seinen Höhepunkt erreichte, stellte Dard eine neue Sensibilität bei jungen Menschen fest, die regelmäßig Lichtspielhäuser besuchten. Er beschrieb sie in Worten, die trotz ihrer Übertriebenheit alle Merkmale einer Erfahrung erster Hand an sich tragen: „Man hat tatsächlich in Frankreich noch nie eine Sensibilität wie diese beobachtet: passiv, persönlich, so wenig humanistisch oder humanitär wie nur möglich; zerstreut, unorganisiert, und ihrer selbst so unbewusst wie eine Amöbe; ohne Gegenstand, oder besser, sich allen [Gegenständen] anheftend wie Nebel, sie durchdringend wie Regen; schwer zu ertragen, leicht zu befriedigen, unmöglich zu zügeln; überall, wie ein aufgescheuchter Traum, jener Grübelei verfallen, von der Dostojewski spricht und die ständig aufspeichert, ohne irgendetwas von sich zu geben.“ Gelingt es dem Zuschauer jemals, die Dinge, über die er meditiert, auszuschöpfen? Seine Wanderungen nehmen kein Ende. Manchmal freilich mag es ihm so scheinen, as ob er, nachdem er tausend Möglichkeiten ausprobiert hat, unter Anspannung all seiner Sinne ein undeutliches Murmeln hörte. Bilder beginnen zu tönen und die Töne werden wieder zu Bildern. Wenn dieses unbestimmbare Murmeln – das Murmeln des Seienden – zu ihm dringt, dann mag er dem unerreichbaren Ziel am nächsten gekommen sein.“

Siegfried Kracauer: Theorie des Films. Die Errettung der äußeren Wirklichkeit. Vom Verfasser revidierte Übersetzung von Friedrich Walter und Ruth Zellschan.

Categories : RKS 11

RKS # 11

2015.10.06

NEXT SCHOW:

Am 31. Oktober 2015 um 20:00 Uhr im Naturkundemuseum Berlin.
THEMA IST: SINNE.
Das Museum befindet sich in der
Invalidenstr. 43, in 10115 Berlin

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2015.07.26

HAVE YOU EVER ENTERED THE GARDEN?

A. Pizarnik: Proust, analyzing his desires, said that desires don’t want to be analyzed but satisfied. In other words: I don’t want to talk about the garden, I want to see it.

… was am schönsten war …

2015.04.06

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NO

2015.02.14

NO to spectacle, no to virtuosity, no to transformations and magic and make-believe, no to the glamour and transcendencs of the star image, no to the heroic, no to the anti-heroic, no to trash imagery, no to involvement of performer or spectator, no to style, no to camp, no to seduction of spectator by the wiles of the performer, no to eccentricity, no to moving or being moved.

 

Yvonne Rainer, ‚On dance for 10 people and 12 Matresses called Parts of some Sextets‚, 1965

 

große zahlen

2015.02.11

zweitausendmal vergiss es. sehr vergiss es. tausendmal vergiss es und dann tu noch tausend drauf. und dann nochmal vergiss es. und dann wieder. und dann ein weiteres mal. so kanns kommen. und dann wieder.

 

offenbar hab ich das vor 3  Jahren // terminiert, respektive gefühlt

 

 

 

interesting

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2014.12.20

„Ich bin sogar seitdem in eine muthwillige Laune gefallen, in einen gewissen humoristischen Rausch, in welchem mir die Freuden und Leiden dieses Lebens weder wünschenswürdig noch verabscheuungswerth erscheinen, es ist alles um mich her ein breiter, mühsam erfundener Scherz, der, wenn man ihn zu genau beobachtet und anatomirt, nüchtern erscheint: aber wenn man sich auf dieser Maskerade dem Lachen und der guten Laune gutwillig hingiebt, so verfliegt der Spleen, und wir fühlen es, daß wir auch im Lachen weise seyn können. Ist denn überhaupt nicht alles auf dieser Erde ein und eben dasselbe?“

„Ja, das mag wohl sein, aber eins und eins ist zwei!“

spleen