Adorno: Ästhetische Theorie: Das Mimetische und das Alberne

„Form objektiviert die einzelnen Impulse nur, wenn sie ihnen dorthin folgt, wohin sie von sich aus wollen.

Das allein ist die Methexis des Kunstwerks an Versöhnung.

Die Rationalität der Kunstwerke wird zu Geist einzig, wofern sie untergeht in dem ihr polar Entgegengesetzten.

Die von keinem Kunstwerk zu schlichtende Divergenz des Konstruktiven und des Mimetischen, gleichsam die Erbsünde des ästhetischen Geistes, hat ihr Korrelat an dem Element des Albernen und Clownshaften,

das noch die bedeutendsten in sich tragen und das nicht zuzuschminken ein Stück ihrer Bedeutung ist.

Das Ungenügen am Klassizismus jeglicher Observanz rührt daher, dass er jenes Moment verdrängt; dem muss die Kunst misstrauen.

Mit ihrer Vergeistigung im Namen von Mündigkeit wird dies Alberne nur desto schroffer akzentuiert;

je mehr sich ihr eigenes Gefüge kraft seiner Stimmigkeit einem logischen anähnelt, desto offenbarer wird der Unterschied dieser Logizität von der draußen waltenden, zu deren Parodie,

je vernünftiger das Werk seiner Formenkonstitution nach, desto alberner nach dem Maß der Vernunft in der Realität. Seine Albernheit ist jedoch auch ein Stück Gericht über jene Rationalität;

darüber, dass sie, in der gesellschaftlichen Praxis zum Selbstzweck geworden, ins Irrationale und Irre umschlägt, in die Mittel der Zwecke.

Das Alberne an der Kunst, das die Amusischen besser gewahren, als wer naiv in ihr lebt, und die Torheit der verabsolutierten Rationalität verklagen sich gegenseitig, übrigens hat Glück, der Sexus, aus dem Reich der selbsterhaltenden Praxis gesehen, ebenfalls jenes Alberne,


auf das, wer von ihm nicht getrieben wird, so hämisch hindeuten kann.“

Adorno: Ästhetische Theorie, Seite 180f

Ein Gedanke zu „Adorno: Ästhetische Theorie: Das Mimetische und das Alberne“

  1. Einfach genial, diese Illustrationen zu Textstellen, die ich kaum verstehe. Was aber auch nicht alles so als Philosophie durchgeht! 🙂

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