DIE WÜSTE HAT ZWÖLF DING

Die woestin hat zwoelf ding

Du solt minnen das niht,
du solt vliehen das iht,
du solt alleine stan
und solt zu nieman gan.
du solt sere unmuessig sin
und von allen dingen wesen vri.
Du solt die gevangenen enbinden
und die vrien twingen.
Du solt die siechen laben
und solt doch selbe nit haben.
Du solt das wasser der pine trinken
und das fúr der minne mit dem holtz der tugende entzúnden.
So wonestu in der waren wuestenunge.

(Mechthild von Magdeburg)

7 Gedanken zu „DIE WÜSTE HAT ZWÖLF DING“

  1. ja, lasst uns die dinge twingen. halb twing das ding, halb zwing es hin. sie habens nicht besser verdient.

  2. TWINGEN (dwingen): drücken, zusammendrücken, zusammenfügen, pressen; zwängen, beengen, drängen, bedrängen, not u. gewalt antun, bezwingen; wozu drängen, zwingen, nötigen. mit gen., mit inf. u. ze, mit nachs.; bedecken, einschließen; beherrschen, bändigen, zaum anlegen. — — – die gefangen sollst entbinden – — — die freien in die enge zwingen — — — und was frei ist niederzwingen — — die selbstherrlichen bändigen (übersetzt vollmann-profe) – — – und kumt geloffen wie ein verjageter hirze nach dem brunnen, der ich bin — — du smekest als ein wintrúbel — — du ruchest als ein balsam — – du lúhtest als dú sunne – – du bist ein zunemunge miner hoehsten minne — — ach, WINTRÚBEL! WINTRÚBEL! zunemunge. zunemunge. zunemunge. zunemunge. zunemunge. zungemunde lockt als weitere option.

  3. Das gefällt mir! Mechthild von Magdeburg! Du solt alleine stan un solt zu nieman gan. Ganz ganz prima. Wir kommen wieda.

  4. ich muß über meinen mir beigelegten Namen so lachen, daß mir schon alles weh tut, unnatürlich hell und doof lachen.

  5. man soll im hellen lachen auch nicht alleine sein
    man soll im schnellen nachen rudern nicht allein.
    man soll in vielen sachen eh nicht alleine sein.
    es soll der himmel lachen, es wird ein lappen sein.

  6. XXXV. Die Wüste hat zwölf Ding

    Das Nichts sollst du minnen,
    Was ist, sollst du fliehen,
    Alleine sollst du stehen,
    und sollst zu niemandem gehn.
    Du sollst schmerzensrege sein
    und von allen Dingen frei,
    die gefangen, sollst du entbinden,
    die Freien in die Enge zwingen.
    Du sollst die Kranken laben
    und sollst doch selbst nichts haben
    Du sollst Pein als Wasser trinken,
    das Feuer der Minne mit dem Zunder der Tugend entzünden.
    So wirst du in der wahren Wüste wohnen.

    XXXV. Die Wüste hat zwölf Ding

    Deine Liebe gehöre dem Nichts,
    Deine Flucht fliehe was ist,
    alleine sei dein Stand.
    Zu keinem führe dein Gang.
    Keine Muße sollst du haben,
    kein Ding Anteil an dir haben.
    Die Unfreien sollst du entbinden
    und die Freien niederringen.
    Deine Labsal sei den Kranken
    Deiner Habsal kein Gedanke
    Marterwasser sollst du trinken
    Mit dem Holz der Tugend das Liebesfeuer entzünden.
    So wohnst du in der wahren Wüstenei.

    XXXV. Die Wüste hat zwölf Ding

    Erstens: Nichts lieben.
    Zweitens: Was ist, fliehen.
    Drittens: Alleine stehn.
    Viertens: Zu keinem gehn.
    Fünftens: Immer machen.
    Sechstens: Ohne Sachen.
    Siebtens: Fesseln lösen.
    Achtens: Gelöste fesseln.
    Neuntens: Kranke pflegen.
    Zehntens: Von nichts leben.
    Elftens: Strafwasser trinken.
    Zwölftens: Mit der hölzernen Tugend die feurige Liebe anzünden.
    So hast du in der wahren Wüste Wohnung genommen.
    (So bist du in der wahren Wüste zu wohnen gekommen)

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