… und in Spanien tausendunddrei …

„Auf diese sterblichkeitsbedingte Endlichkeitslage – auf die Vergänglichkeieit – antwortet die Hermeneutik; denn Hermeneutik ist Festhalten dort, wo man nicht festhalten kann: dort muss man eben etwas statt dessen tun, nämlich interpretieren. Dabei ist der Festhaltungsversuch durch antiquarisierendes Interpretieren – durch Sammeln – eine ebenso symptomatische wie hilflose Gebärde: denn es reicht hierbei nicht aus, wenn man da Antiquaria sucht und – etwa – in Deutschland hunderte findet >und in Spanien tausendunddrei<*. Aber dieses antiquarisierende Interpretieren ist ohnehin nur der extreme Grenzfall dessen, was – als Replik auf Vergänglichkeit – die Interpretation normalerweise leistet: nämlich die Rettung der Verständlichkeit von Dingen und Texten in neuen Situationen (in sekundären Kontexten), an die sie sie anpasst.“

* Es gibt nicht nur den erotischen Don-Juanismus und den Don-Juanismus bei der Psychiaterwahl, sondern auch einen Don-Juanismus des Antiquarisierens: er ist ein Mitmotiv bei der Genesis des Museums.

Odo Marquard: Frage nach der Frage, auf die die Hermeneutik die Antwort ist

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