nachtrag zu den dingen

2009.12.27

“… Ausgeteilt ist das Verhängnis nicht allein unter die Personen, es waltet gleichermaßen in den Dingen. ‘Charakteristisch für die Schicksalstragödie ist nicht blos das Vererben eines Fluches oder einer Schuld über ganze Geschlechter, sondern auch die Anknüpfung desselben an . . . ein fatales Requisit.’ Denn über das Menschenleben, ist es einmal in den Verband des bloßen kreatürlichen gesunken, gewinnt auch das der scheinbar toten Dinge Macht. Seine Wirksamkeit im Umkreis der Verschuldung ist Vorbote des Todes. Die leidenschaftliche Bewegung des kreatürlichen Lebens im Menschen – mit einem Worte: die Leidenschaft selbst – setzt das fatale Requisit in die Aktion. Es ist nichts als die seismografische Nadel, die Kunde gibt von ihren Erschütterungen. .. Das Gesetz tritt um so deutlicher heraus je adäquater das registrierende Instrument ist. … ”

Benjamin, Trauerspielbuch, Seite 113

Categories : RKS 4

wie die dinge so liegen

2009.11.21

ist es nicht leicht, über ihnen zu stehen. um sich ein bild von der lage der dinge zu machen, braucht man den gerüstebau. die dinge von oben aus betrachtet sehen friedlicher aus als sie sind

Categories : RKS 4

… diese abgegriffenste stelle …

2009.11.21

… Die graue Staubschicht auf den Dingen ist sein [des Traums] bestes Teil. Die Träume sind nun Richtweg ins Banale. Auf Nimmerwiedersehen kassiert die Technik das Außenbild der Dinge wie Banknoten, die ihre Gültigkeit verlieren sollen. Jetzt greift die Hand es noch einma im Traum und tastet vertraute Konturen zum Abschied ab. Sie fasst die Gegenstände an der abgegriffensten Stelle. Das ist nicht immer die schicklichste: Kinder umfassen ein Glas nicht, sie greifen hinein. Und welche Seite kehrt das Ding den Träumen zu? Welches ist diese abgegriffenste Stelle? Es ist die Seite, welche von Gewöhnung abgescheuert und mit billigen Sinnsprüchen garniert ist. Die Seite, die das Ding dem Traume zukehrt, ist der Kitsch. …

Benjamin: GS, 620 u, 1428; 1925

Categories : RKS 4

SEINE SACHEN IN STÄNDIGEM FLUTEN

2009.11.21

… Am Schlusse von ‘Matière et Mémoire’ entwickelt Bergson, Wahrnehmung sei eine Funktion der Zeit. Würden wir, so darf man sagen, gelassener, nach einem anderen Rhythmus leben, so gäbe es nichts ‘Bestehendes’ für uns; sondern alles geschähe vor unsern Augen, alles stieße uns zu. So aber ist es nur im Traum. Um die Passagen aus dem Grunde zu verstehen, versenken wir sie in die tiefste Traumschicht, reden von ihnen so als wären sie uns zugestoßen. Ganz ähnlich betrachtet ein Sammler die Dinge. Dem großen Sammler stoßen die Dinge zu. Wie er ihnen nachstellt und auf sie trifft, welche Veränderungen in allen Stücken ein neues Stück, das hinzutritt, bewirkt, das alles zeigt ihm seine Sachen in ständigem Fluten aufgelöst wie Wirkliches im Traum. …

Benjamin, GS V, 1008f.

Categories : RKS 4

nach lage der dinge handeln

2009.11.21

“My pillow is stained.”

“Maybe you turned upside down in the middle of the night and got your period,” B said.

The Philosophy of Andy Warhol (From A to B and back again), 1975

Categories : RKS 4

maßgaben der verdinglichung – der versuch, etwas in die gerechtigkeit zurückzuschlafen. misslingt.

2009.10.11

bahnung und stase. aufwachen ins selbe. verknechtung durch hellblaue fenster und ihre reiterchen. wie viele schritte? zu viele. wie gondelnde drähte, feinstoffliche kabel tentakeln und bohren, connected und komplett verloren, ich. klickbare hölle. universale klickbarkeit bedeutet auch, dass man es muss. fühlbare gurte, nicht sichtbar, doch breit, sie halten nieder. kann es nicht wiedergeben in einer begreiflichen logik. maßnahmenkatalog versagt. mechanismen gegenüber denen die kraft der träumerischen re-interpretation machtlos ist. teilverläufe. strukturen werden körperlich, aber nicht narrationsfähig. die grammatik der lendenwirbel kennt nur eine zeitform oder keine. es sind diese hybriden, ortlosen orte, etwas, das dahinter, davor, darunter, darin, daneben, auf dem nebenreiterchen, hier wie dort irgendwo in der zeit liegt, so dass dinge, einmal abgespeichert verschwinden und nie wieder aufzufinden sind. nochmal machen. dass man das bäume nennt: was für ein hohn. überempfindlichkeit gegenüber dem teilverlauf führt in die dumpfheit. denken setzt aus. der widerstand zeigt sich als dumpfheit. das gehirn reagiert dumpf auf angebote, die es als zerstörend begreift. ich finde kein synonym für: dumpf. “Sie alle stehen im Ablaut zu Dampf, so dass für die Wortgruppe dumpf eine Ausgangsbedeutung ‘durch Rauch, Dampf eingeengt, feucht’ anzunehmen ist.” das trifft nicht zu. neutralität des neuronalen codes. verwandlung in elektrische impulse. da flog eben eine braunweiße katze vorbei. das system greift über. will an meine strukturen heran. an die postsynaptische zellmembran. die so genannten neuronalen bahnungen sind elektrochemisch bewirkte nervenströme, anlagen zur wiederbegehung. was immer das gehirn lernt, hat es nie wieder nicht gelernt. irreduzibel. einmal gezogene bahnen werden reaktiviert. das ist das horrende an der verdinglichung. der protest ist leider kein denken. ein kind aus schlamm. nein. eine hohlform, die mit hohlheit gefüllt wird, nur dass diese hohlheit massiv ist. und von innen die risse verfugt. so dass kein licht hineintreten kann. routinenbildung oder unterwerfung, je nach dem. haydn hilf! ach würde doch die braunweiße katze wieder vorbeifliegen. wenn haydn nicht mehr hilft, haben wir ein problem. wir haben ein problem.

Categories : RKS 4

…dingsbumstum…

2009.09.29

cf verwies mich auf jene passage aus heissenbüttels klassenanalyse: “… so ein Dings ist bedingt dadurch, dass er jedes Dingsbumstum für was besseres hält sein Dingsbumstum ist bedingt dadurch dass er in dem Dings der er ist nicht sich selbst erkennt sondern was besseres und diese Bedingtheit lässt ihn unbedingt von sich weg streben er bedingt sich aus indem seine Bedingtheit nicht nicht zur Selbsterkenntnis sondern zu was besserem führt und wenn er einen Dings wirklich für einen Dings und sich in ihm selber sähe würde er das für was schlechteres halten denn angenommen ein Dings würde einen Dings nur für einen Dings und nicht für was besseres sondern sich in ihm für was schlechteres halten für das er sich nicht halten wollte so wäre er gezwungen einen Dings weder für was besseres noch für was schlechteres zu halten sondern einfach nur für so einen Dings und das wäre dann wirklich so etwas wie Selbsterkenntnis.”

Categories : RKS 4

.. .. ..

2009.09.06

“Es gibt ein Ding x, das eine Gerade ist, und es gibt ein Ding y, das ein Punkt ist, und es gibt ein Ding z, das eine Gerade ist, und z schneidet y, und x und ist mit z parallel, und für alle Dinge u, die Geraden sind und y schneiden und parallel zu x sind, gilt: Sie sind identisch mit z.”

Categories : RKS 4

.. neu aufkommen möbel ..

2009.08.09

“Die Ordination des Hypnosearztes ist darum mit einer Vielzahl von neu aufkommenden Möbeln ausgestattet, die sich jeweils auf die besondere Lage des Patientenkörpers einstellen lassen. Die mechanisierten Formn der Chaiselongue, des Sofas, der Couch und des Fauteuils, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (..) entwickelt und verfeinert werden, ermöglichen die Anpassung an möglichst viele Abstufungen zwischen Sitzen und Liegen. Der Komfort diser polyfunktionalen Patentmöbel stellt sich durch die ‘aktive Anpassung an den Körper und nicht durch passives Einsinken in Kissen’ her. So verwenden manche Ärzte eigens konstruierte Hypnosebetten oder Fauteuils mit verstellbaren Rückenlehnen, um si enach der körperlichen Flexibilität ihrer Patienten justieren zu können.”
Aus: A. Mayer: Mikroskopie der Psyche. Die Anfänge der Psychoanalyse im Hypnose-Labor.

Categories : RKS 4

.. .. ein sehr gutes reagens .. ..

2009.08.09

“Bei der Wiederaufnahme des Versuchs (d.i. aufschlüsselung der traumsymbolik, mr)  setzt Bleuler die Schreibmaschine, auf der er schreibt, als Instrument zur Aufdeckung seiner Komplexe ein. Als sicherster Indikator für einen versteckten Komplex gilt – in Analogie zum ‘Verschreiben’, wo ein ähnliches Zusammenspiel von Motorik und Assoziationsvorgängen angenommen wird – das ‘Vertippen’: ‘Solange man nicht sehr grosse Uebung hat, ist die Schreibmachine ein sehr gutes Reagens auf Complexe.’” (Bleuler an Freud)

Categories : RKS 4